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| Das Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten, "Altes Gymnasium" |
Ehemaliges Knaben Schulhaus von Leonhard Zeugheer (1838-1842) Aquatinta, nach 1860
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Dieser erste öffentliche Bau neben der Altstadt beherbergte verschiedene Abteilungen: die "untere Knabenschule" (seit 1864 im Altstadtschulhaus), die "obere Knabenschule" (gegliedert in Gymnasium und Industrieschule), die Gewerbeschule sowie Stadtbibliothek und Naturwissenschaftliche Sammlungen (bis zur Eröffnung des Kunstmuseums Winterthur im Jahre 1916). Das palastartige Bauwerk brachte den Stolz der Bürgerschaft über ihre kommunale Selbständigkeit und die Bedeutung grosszügiger Bildungsförderung zum Ausdruck. Ueber der Eingangshalie symbolisieren die Skulpturen von Zwingli, Pestalozzi, Konrad Gessner und Johann Georg Sulzer (Prof. für Aesthetik) die Bedeutung von Religion, Erziehung, Wissenschaft und Kunst.
1919 wurde diese weitgehend von der Stadt getragene Schule kantonalisiert. Bald danach vermochte sie die stark angewachsene Mittelschule nicht mehr zu fassen. Ein Neubau schaffte Abhilfe: die Kantonsschule im Lee. Die ehemalige Knabenschule wurde, nach einer Phase unterschiedlicher Nutzungen und einem gründlichen Umbau, 1951 als Stiftung Oskar Reinhart eröffnet - das heutige Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten.
Der Neubau
Für den Neubau einer Winterthurer Kantonsschule erwarb der Kanton eine Liegenschaft am Südfuss den Lindbergs, am Standort der alten Lehentrotte (daher der Flurname "Im Lee"). Trotz lebhafter Kritik wegen der Entfernung zum Bahnhof liess der Kanton 1925-1928 eine geräumige Schulanlage erstellen. Als Architekten kamen die von 1907 bis 1950 im ganzen Kanton erfolgreichen Gebrüder Pfister (Otto und Werner) zum Zuge.
Ihr Gesamtwerk umfasst eine grosse Bandbreite von Stilformen (historisierende Vornehmheit der Fassaden des Peterhofs für die Firma Seiden-Grieder an der Bahnhofstrasse in Zürich; expressive Funktionalität im Bahnhof Enge; urbane Zweckhaftigkeit des Komplexes der Kantonalen Verwaltung Walche usw.). Traditionelle und fortschrittliche Formen sind je nach Bauaufgabe und jeweiligem Kontext gemischt.
Das Projekt 'Zeitgeist' der Gebrüder Pfister für die Kantonsschule Im Lee zeichnete die Jury mit dem ersten Preis aus, da es "mit einfachen Mitteln eine monumentale Wirkung erzielt" -eine Monumentalität, die auf Neueintretende überwältigend wirken kann. Doch haben sich im Laufe der Jahrzehnte die architektonischen Qualitäten und die Solidität der Ausführung bewährt.
Das Aeussere variiert - im Zeitgeschmack der Neuen Sachlichkeit - ein traditionelles Palastschema. Den langen Haupttrakt auf dem durch Rampen erschlossenen "Sockel" (mit Turnhallen und Aula bzw. Mensa) flankieren zwei vorspringende Flügelbauten; zusammen bilden sie einen nach Süden offenen Hof, der in den Pausen gerne frequentiert wird. Das Mauerwerk der Fassade ist verputzt und (wie der Bahnhof Enge, erbaut 1925-27) durch Granitelemente gegliedert.
Im Inneren wechseln grosszügige Hallen mit schmaleren Gängen ab. Den rötlichen Klinkerböden antworten grünlich gestrichene Wände und weisse, durch Querbalken kräftig gegliederte Decken. Der häufig geäusserte Eindruck eines "grauen" Schulhauses lässt sich nur partiell - an den Zimmertüren - durch Beobachtung stützen. Die soliden Eichenparkettböden der Schulzimmer wirken heute fast luxuriös.
Eine laufende Erneuerung des Schulhauses hat zum Ziel, entstellende Einbauten von früher zu entfernen, alte Raumstrukturen neu erlebbar zu machen und notwendige bauliche Massnahmen mit neuem Feingefühl abzustimmen auf die unbestreitbaren architektonischen Qualitäten des Bauwerks.