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MATURARBEITEN AN DER KANTONSSCHULE IM LEE

Leistungen zeigen Reife

Die Maturitätsarbeiten der Kantonsschule Im Lee zeugen vom hohen Anspruch junger Maturanden an sich selbst.

Vor zwei Jahren wurde mit dem neuen Maturitätsreglement die obligatorische Maturitätsarbeit eingeführt. Sie besteht aus der eigentlichen Projektarbeit, welche von den Schülerinnen und Schülern während eines Semesters selbständig umgesetzt und von einer Lehrperson begleitet wird, sowie der Präsentation vor dem interessierten Publikum. Am letzten Samstag zeigte rund die Hälfte der Maturanden der Kantonsschule Im Lee ihre Arbeiten; die anderen werden heute Montag vorgestellt. Laut Prorektor Lennart Falck stehe bei diesen Arbeiten nicht ein wissenschaftlich einwandfreies Resultat im Vordergrund, sondern vielmehr die selbständige, konzeptionelle Projektarbeit des Einzelnen.

Die Titel der Arbeiten zeugen von Phantasie und vom Selbstbewusstsein der Maturanden und widerspiegeln deren breit gestreute Interessen. Viele Titel machen keinen Hehl aus der Komplexität der Materie, wie «Messungen von Myonen aus der kosmischen Strahlung auf der Erdoberfläche» (Norrnan Juchler und Lucas Oehen, 4d) oder «Macht und Machtmissbrauch im bürgerlichen Trauerspiel des 18. Jahrhunderts» (Martin Schmid, 4d). Thomas Hauser (Klasse 4e) untersuchte die Luftqualität Winterthurs anhand des Bioindikators Flechte. Da die verschiedenen Flechtenarten unterschiedliche Voraussetzungen an die Luftqualität stellen, kann anhand der in einem bestimmten Gebiet der Stadt vorkommenden Flechtenarten und deren Häufigkeit festgestellt werden, wie es um die Luftqualität in diesem Stadtteil steht. Der betreuende Lehrer, Konrad Weber, bestätigte, dass die so erzielten Werte ziemlich genau den Messresultaten der amtlichen Luftmessung der Stadt entsprechen. Konrad Weber führt alle drei Jahre mit einer Klasse solche Flechtenmessungen durch und kann so feststellen, dass die Luftqualität in Winterthur stetig zunimmt und im gesamten Stadtgebiet gleichmässiger geworden ist.

Matthias Wild (Klasse 4a) nahm sich der Frage an, wie sich der Untergang der Swissair und die Bildung der Swiss hinsichtlich Arbeitslosenzahlen, Steuereinnahmen und Tourismus auf den Wirtschaftsstandort Winterthur ausgewirkt haben. Hinsichtlich der Arbeitslosenzahlen fand er beispielsweise heraus, dass diese durch eine Vielzahl verschiedener Faktoren beeinflusst werden, über welche die Stadt keine detaillierte Statistik führt. So konnte Matthias Wild schlussendlich nicht sagen, wie viele Menschen in Winterthur tatsächlich ihre Stelle durch die Krise in der schweizerischen Luftfahrt verloren haben.

17 der 115 präsentierten Arbeiten sind gestalterische Projekte, laut Brigitte Moser, Koordinatorin der gestalterischen Arbeiten, ein hoher Anteil. Von beachtlichem künstlerischem Talent und -konzeptionellem Können zeugt die Arbeit von Jasmin Koblet (4a). Ihre Arbeit «Feuer und Flamme fürs Laufen» beinhaltet nebst dem eigentlichen Endprodukt, einem selbst genähten Trainingsanzug, die Dokumentation und künstlerische Darstellung des gesamten Prozesses von Motivation, Inspiration und Umsetzung. Wie alle gestalterischen Arbeiten ist auch ihr Projekt dokumentiert mit einem Arbeitsbuch, welches Aufschluss gibt über den Werdegang der Arbeit. (rs)