27.03.2003

VIDEO-KONFERENZ ZWISCHEN NEW YORK UND WINTERTHUR

Brücke über den Atlantik

Schüler der Kantonsschulen Rychenberg und Im Lee kommunizieren diese Woche online mit New Yorker Schülern.

Im Rahmen des «Swisspeaks»-Festivals betreibt die Schweiz Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege in den USA. Eines der integrierten Projekte ist das so genannte "virtuelle Klassenzimmer": Die zweisprachigen Klassen der Kantonsschulen Im Lee und Rychenberg sind während dieser Woche mit der Highschool oft Telecommunication Arts and Technology in Brooklyn, New York, vernetzt (der «Landbote» berichtete) . Der Kontakt zwischen den einzelnen Schülern findet via Chatcorner, E-Mail und zwei Video-Konferenzen statt.

Gestern hat die erste von zwei geplanten Video-Konferenzen stattgefunden. Beide Klassen konnten sich über einen Bildschirm, Lautsprecher und Mikrofone sowohl sehen als auch hören. Das Hauptthema war nahe liegend: der Irak-Krieg. Abwechslungsweise konnten sich die Schüler befragen. Ein Schweizer Schüler nahm es Wunder, wie die amerikanischen Schüler zu den Demonstrationen in Europa gegen den Krieg stünden. Ein US-Boy antwortete kurz: «You're right.» Ein anderer legte seine Haltung dar, die viele - auch in den E-Mail-Kontakten mit den Schweizer Gymnasiasten -teilen: Ich bin nicht für den Krieg, aber ich unterstütze unsere Soldaten. Sie sollen das Gefühl vermittelt bekommen, dass wir an sie glauben.» Weitere Fragen drehten sich um die «fragwürdige» Verbindung zwischen den Geschehnissen vom 11. September und Saddam Hussein, oder auch ob der Krieg in der Schweiz und Europa ebenfalls die «Topstory» sei. Die Schweizer wurden gefragt, ob man den Krieg mit grösseren diplomatischen Anstrengungen hätte verhindern können. «Ja», sagte einer. «Hätte man den Waffeninspektoren mehr Zeit gegeben, wäre ein Krieg wohl zu umgehen gewesen. »

Zerstörung als notwendiges Übel

Kritisch wandte sich ein Rychenberger an die Amerikaner: «Was macht es für einen Sinn, zunächst alles zu bombardieren und dann wieder aufzubauen? » Ein New Yorker gab ihm Antwort: «Das ist eben so, man muss zuerst das ganze Land zerstören, damit auch Saddam wirklich weg ist, und erst dann kann man an einen echten Neuanfang denken. » Grundsätzlich wurde im Rahmen der Video-Konferenz deutlich, dass die Meinungen zum Irak-Krieg unterschiedlich waren. Waren die Kantonsschüler grundsätzlich gegen jede Art von Krieg («Krieg hat noch nie eine Lösung von Problemen gebracht»), zeigten die Amerikaner mehrheitlich ein gewisses Verständnis («Die Iraker müssen von diesem Regime befreit werden»), selbst wenn eine US-Schülerin anmerkte, «dass unsere Regierung aus lauter Träumern besteht». In einem waren sich die Amerikaner einig: «Wir dürfen unsere Soldaten nun nicht hängen lassen. »

In den Tagen zuvor schon hatten die Gymnasiasten intensiven E-Mail-Kontakt (der Chatroom funktionierte wegen technischer Probleme nur beschränkt) mit den New Yorker Schülern. Olivia Schärer (16), die die Kommunikation wegen der Zeitverschiebung als schwierig einstufte, nannte häufig gestellte Fragen: «Kennt ihr Eminem? Oder: Wie viele Käsesorten gibt es in der Schweiz?» Ihre Kollegin Fränzi Peter (16) bemängelte, "dass die Amerikaner dauernd die Schweiz mit Schweden verwechselten». Nicolas Huguenin (18) sah es eher kritisch: «Vor allem die US-Schüler konnten profitieren, sie konnten sich und ihre Ansichten gut darstellen, dabei hätten doch primär wir uns und unser Land präsentieren sollen.» Für Co-Projektleiter und Lehrer Markus Wettstein haben die angewandten Kommunikationsformen durchaus eine Zukunft, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit in Projekten. Und: «Schön wäre es, könnten wir das Gleiche nochmals durchführen, dann aber mit einem anderen Land wie Frankreich.» Wie Wettstein ortete auch Lennart Falck, Prorektor an der Kantonsschule Im Lee, ein wesentliches Problem: «Der persönliche Austausch fehlte, dieser Kontakt kann nichtersetztwerden.» (ms)