25.02.10

Jungpolitiker kämpften gewieft
Angehende Maturandinnen und Maturanden der Kantonsschule Im Lee fühlten Jungpolitikern auf den Zahn. Diese zeigten sich weitgehend sattelfest.

Das Podiumsgespräch in der Aula der Kantonsschule war spannend und erfrischend. Unter der Leitung von Geschichtslehrer Marius Schwarb ging es gestern Morgen zielgerichtet zur Sache. Soll sich die Stadt mit 4,5 Millionen Franken am Windenergiepark «Ocean Breeze» in der Nordsee beteiligen, lautete die Einstiegsfrage von Schwarb. Am 7. März wird darüber abgestimmt.
Für Fabian Ricklin von den Jungfreisinnigen sind die 4,5 Millionen «hinausgeworfenes Geld». Zudem bezweifelt er die vom Stadtrat versprochene Rendite von rund acht Prozent. «Wesentlich effizienter ist es, wenn jeder zu Hause mit dem Energiesparen beginnt und man beispielsweise auf Solarstrom setzt», betonte er. Rafael Steiner (SP/Juso) sprach demgegenüber von einer sinnvollen Investition und erwähnte, dass die Stadt Zürich weit mehr Investitionen für zukunftsgerichtete Windenergieprojekte lockermache. Manuel Sahli (Alternative Liste) bekannte sich zu einem kritischen «Ja», da es sich beim Windpark um ein privates Projekt handle. «Tatsache ist, dass in der Nordsee weitaus bessere Windverhältnisse herrschen als hierzulande», sagte er. Alle drei Winterthurer Jungpolitiker kandidieren für den Grossen Gemeinderat.

Reizthema Armee
Der vierte Podiumsteilnehmer, Rafael Wohlgemuth, Präsident der Jungen SVP Züri-Unterland, forderte mehr Abbau von Bürokratie, damit sich sinnvolle Lösungen im Minergiebereich realisieren lassen, beispielsweise in privaten und öffentlichen Liegenschaften.
Hoch gingen die Wogen beim Thema Armee. Eine Verkleinerung der Armeebestände und die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht bezeichnete Wohlgemuth als jenseits von Gut und Böse. «Die Konsequenz wäre letztlich eine Berufsarmee mit Zugehörigkeit zur Nato», warnte er. Sahli hält wenig von der allgemeinen Wehrpflicht. «Wir brauchen die Wahlfreiheit zwischen Militär- und Zivildienst. Beide sollen gleich lang dauern», brachte er seine Meinung auf den Punkt. Steiner bezeichnete die Schweizer Armee als hochgradig ineffizient und überdimensioniert. «Zudem führt das heutige System mit den zahlreichen Wiederholungskursen dazu, dass der Wirtschaft infolge Abwesenheit von Beschäftigten hohe Kosten entstehen», hielt er fest. Ricklin hielt dem entgegen, dass die Armee auch Arbeitsplätze generiere und erhalte.
Mehrheitlich kritische Schülerstimmen waren zu einem allfälligen EU-Beitritt zu hören. Wollen wir mitbestimmen oder uns von der EU fremdbestimmen lassen, dieses Dilemma sei nicht so einfach zu lösen, wurde argumentiert. Geäussert wurde auch die Befürchtung, dass bei einem EU-Beitritt der Schweiz die einheimische Landwirtschaft unter die Räder käme. Steiner räumte ein, dass diesbezüglich nicht alle Fragen geklärt seien. Die Frage, ob bei einem EU-Beitritt die Schweizerische Identität verloren ginge, wurde seitens der Podiumsteilnehmer dagegen weitgehend verneint. Einer der Schüler gab zu bedenken, dass seinerzeit der Zusammenschluss der Schweiz zum Nationalstaat ähnliche Kontroversen unter den Kantonen ausgelöst habe.

Die Schüler aktivieren
Das Podium an der Kantonsschule Im Lee war eine von mehreren Veranstaltungen, welche die Juso Winterthur für die Jungparteien im Rahmen des Gemeinderatswahlkampfes initiiert hatten. In Zusammenarbeit mit Kantons- und Berufsschulen sollen diese kontradiktorischen Podien dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler die Politik von einer neuen Seite kennen lernen und sich aktiv einbringen können.ICHRISTIAN LANZ