
16.06.2010
Preis für Fledermaus und «Drik»
Wie verhalten sich Mausohrfledermäuse? Und wie baut man eine Drik? Die Antworten liefern Sybille Hostettler aus Oberstammheim und Nik Neumeister aus Dättlikon in ihren Maturarbeiten. Dafür erhielten sie sogar Auszeichnungen.
Oberstammheim/Dättlikon Die 50 besten Maturarbeiten sind noch bis Freitag in der Haupthalle der ETH Zürich zu sehen. Die Themen sind zum Teil sehr ausgefallen. Wie kommt man dazu? «Ich wollte etwas erleben», sagt Sybille Hostettler. Zudem interessiert sie das Fach Biologie sehr. Warum also nicht ein Experiment mit Tieren? Und da ihr Vater seit mehreren Jahren eine Kolonie von Mausohrfledermäusen betreut, war das Thema schnell gefunden. Was sie aber genau untersuchen wollte, wusste sie anfangs noch nicht. «Ich beobachtete die Kolonie an etwa 300 Tieren zuerst und notierte mir einige Auffälligkeiten», erzählt Hostettler. Aus diesen Beobachtungen liessen sich dann drei Fragestellungen zum Sozial- und Orientierungsverhalten der Mausohrfledermäuse herausarbeiten.
These durch Zufall gefunden
Da die Kolonie nur im Sommer im Dachstock des Volgs in Oberstammheim lebt und im August oder spätestens im September in ihr Winterquartier fliegt, opferte die Maturandin einen Teil ihrer Sommerferien. «Dafür hatte ich dann im Herbst weniger zu tun», sagt Hostettler, der das Experiment viel Spass machte. Voller Euphorie erzählt sie, wie sie originelle und zweckmässige Methoden entwickelte, um ihrer Hypothesen angemessene Auswertungen vornehmen zu können.
Zweimal täglich besuchte Hostettler die Fledermäuse im Dachstock über eine Zeitspanne von 15 Tagen hinweg. Während es am Morgen noch relativ kühl war, stieg die Temperatur am Nachmittag auf jeweils fast 30 Grad an. «Unerträglich heiss und schwül war es an den Nachmittagen, aber meine erste Hypothese bestätigte sich.» Je höher die Temperatur ist, desto kleiner sind die Gruppen, in denen sich die Fledermäuse versammeln. Bei niedrigen Temperaturen sind die Gruppen grösser.
In ihren geschickt aufgebauten Protokollblättern zeichnete sich zufällig eine weitere Auffälligkeit ab. Die Fledermäuse hingen am Anfang der Untersuchung im dunkelsten Bereich des Dachstocks und verschoben sich dann in Richtung Ausflugsloch, das am anderen Ende des Dachstocks liegt. Mit einer mathematischen Berechnung gelang es ihr dann, die Hypothese zu bestätigen: Je kürzer die Tage werden, desto näher beim Ausflugsloch befinden sich die Fledermäuse.
In zwei weiteren Fragestellungen untersuchte Hostettler dann die Lautäusserungen der Mausohren im hörbaren wie auch im Ultraschallbereich. Mit der Hilfe eines iPods nahm sie das Knattern des Fledermausdedektors und ihre mündlichen Kommentare zum Flugverhalten der Tiere auf. Danach erstellte sie dann ausführliche Tabellen, mit denen sie ihre Hypothese bestätigen konnte. «Ich habe vor allem viele Erfahrungen und schöne Erinnerungen gesammelt», sagt Ho-
stettler. Ein grosser Aufwand, der nun neben den Erinnerungen auch mit einer Auszeichnung belohnt wurde.
Das Gefühl zu fliegen fehlt
«Drik: Die Drohne für 500 Franken im Eigenbau». Das war das Thema von Nik Neumeister aus Dättlikon. «Ich wollte etwas mit den Händen machen und keine theoretische Arbeit verfassen», sagt Neumeister. Und da sein Hobby Modellbau ist, war es naheliegend, dass er selbst ein Modellflugzeug konstruierte. Aber nur ein einfaches ferngesteuertes Flugzeug zusammenbauen war ihm dann doch etwas zu anspruchslos. «Auf der Drohne sollte eine Kamera installiert werden, die Flugaufnahmen an einen Bildschirm am Boden sendet», beschreibt Nik seine Arbeit. Mit dieser Installation könne man das Modellflugzeug dann so fliegen, als ob man selbst darin sässe. «Nur das Gefühl, wirklich zu fliegen, fehlt.» Neben der Konstruktionsarbeit verfasste er zudem eine Bauanleitung, damit die Drik der Name des Flugzeuges mit 1,4 Metern Flügelspannweite auch nachgebaut werden könne. «Das Budget von 500 Franken nicht zu überschreiten, war eine Herausforderung. Nur schon die Kamera und das zugehörige Videoset mit Sender und Empfänger kosteten enorm viel», sagt Neumeister. 513 Franken habe er schliesslich für alle Materialien bezahlt.
Obwohl er ein recht aufwendiges Ingenieurprojekt durchgeführt hat, beanspruchte das Schreiben der Bauanleitung am meisten Zeit. «Modellflugzeuge hab ich ja auch schon vorher gebaut. Da konnte ich auf meine Erfahrung zurückgreifen», sagt Nik, der die optimale Bauweise der Drohne
durch Ausprobieren und ein paar Überlegungen, jedoch ohne mühsame Rechenarbeit, gefunden hat. «Der Schwerpunkt des Flugzeugs muss am richtigen Ort sein, damit es wegen des Gewichts der Kamera nicht vorne abkippt», erklärt der Maturand. Die Bauanleitung jedoch erforderte einiges grafisches Können und viel Geduld. Dass er eine Auszeichnung erhält, hat Neumeister überrascht: «Ich wusste, dass ich wohl etwas mehr Aufwand betrieben habe als andere, aber den Anspruch, eine überaus gute Arbeit zu schreiben, hatte ich nicht.» Der Name Drik übrigens ergibt sich aus der Zusammensetzung von Drohne und Nik.
lSANDRA BIBERSTEIN
Die Ausstellung der 50 besten Maturitätsarbeiten 2010 ist noch bis 17. Juni in der Haupthalle der ETH Zürich, Rämistrasse 101, zu sehen.